Geschichtliches über Oberbüren

1200 Jahre Ersterwähnung von Oberbüren

 

Die eindeutig für Oberbüren geltende Bezeichnung „Puria“ tauchte erstmals vor bald 1200 Jahren in einer Schenkungsurkunde vom 25. November 817 auf. Mit der Gründung des Kanton St. Gallen im Jahr 1803 entstand die politische Gemeinde Oberbüren aus den Pfarreien Niederwil, Oberbüren und dem Dorf Durstudlen (Sonnental).

 

Althochdeutsch „Bûr“ dessen Wortwurzel ins vorgermanische Sprachgut zurückreicht, bezeichnete ursprünglich einen gebauten Behälter im Sinne einer Kammer, einer Zelle oder aber eines Hauses. Die Mehrzahl „bûri“ – bei den Häusern – konnte deshalb gut zur Bezeichnung eines Ortes mit Häusern, eben eines Hofes oder Dorfes werden. Als Namen konnte dieser nur dort Anwendung finden, wo eine Siedlung in grösserem Umkreis alleine stand und somit Verwechslungen auszuschliessen waren.

 

An einer anderen Annahme soll sich der Begriff Büren von „by Ron“, was so viel bedeutet wie „Beim Fluss“ herleiten. Diese Theorie vertrat in frühester Zeit der namhafte St. Galler Chronist und Reformator Joachim von Watt, genannt Vadian, der folgende Begründung lieferte:

 

Der Jrabach in St.Gallen hat etwan ouch der Jnrhonn gheissen, von wegen des einharrhännens oder fliessens, wie die alten Franken und Alemenner beilaufend wasser und fluss Beirhonn genent und derselben ursach ouch den fleken und stetten, daran gebouwen, Beyrhonn geheissen, wie wir sie noch Beuren oder Büren nennend.

 

Ein weiteres Indiz, das für die neuere Theorie der „bûr“ spricht, ist die Tatsache, dass frühmittelalterliche Herrensitze oftmals als „burh“ bezeichnet wurden. Obwohl sich daraus der Begriff „Burg“ entwickelte, waren damit in früheren Zeiten lediglich Herrenhöfe, umgeben von Zäunen und Gräben, gemeint. Man darf darin die Anfänge geschützter Häuser sehen, die im oder beim Dorf standen.

 

Mit Doppelsiegel und Unterschrift bestätigte Graf Marquard Willibald Schenk von Castell 1736 den Verkauf der Herrschaft Oberbüren um 43642 Gulden an die Abtei St. Gallen.

 

Weitere Jahreszahlen und Fakten:

 

11./12. Jh.

Unter der Oberherrschaft des Abtes regieren im oberen Gemeindeteil die Giel von Glattburg auf der Glattburg an der Glatt, im untern Gemeindeteil die Schenk von Glattburg-Landegg auf den Burgen Oberbüren und Glattburg an der Thur.

 

1473/1523

Übergang der Gerichtsherrschaft Oberbüren von den Schenk von Landegg an die Schenk von Castell aus dem Thurgau.

 

1463-1491

Fürstabt Ulrich Rösch von St. Gallen schafft aus dem lockeren Gefüge mittelalterlicher Herrschaftsrechte einen neuzeitlichen Staat. Die Sammlung der Dorfrechte in Offnungen wird für die Gemeinden während der folgenden 300 Jahre wegweisend: 1466 Gebertschwil, 1469/1495 Lenggenwil Durstudlen, 1481 Oberbüren.

 

1482

Rückkauf der Gerichtsherrschaft Durstudlen (Sonnental) durch Abt Ulrich

 

1489

Zerstörung der obern Glattburg bei einem Bauernaufstand. Die Giel von Glattburg verkaufen das Gericht Gebertschwil an die Abtei.

 

1732

Brand des Schlosses Oberbüren.

 

1736

Die Schenk von Castell verkaufen das Gericht Oberbüren an die Abtei.

 

1777

Fürstabt Beda Angehrn von St. Gallen lässt als Teil der neuen Strasse St.Gallen – Wil eine Brücke über die Thur, eine Zollstation und ein Gasthaus – den heutigen Thurhof – errichten.

 

1795

Zu den Volksführern der fürstenländischen Revolution gehört Ammann Karl Häfelin, Erbauer des Grossen Hauses in Oberbüren.

 

1798

Untergang der Fürstabtei St. Gallen

 

1803

Entstehung der Politischen Gemeinde Oberbüren aus den Pfarreien Oberbüren und Niederwil und dem Dorf Durstudlen (Sonnental) im Rahmen der Gründung des Kantons St. Gallen.


Wasserheilanstalt Buchenthal.

Das Bad Buchenthal war in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts eine der bedeutendsten Kaltwasser-Kuranstalten der Schweiz.

 

1880

Umtaufe Durstudlen-Sonnental. Gedenkstein auf dem Dorfplatz von Sonnental.


 

Diese Stelle, wo J.B. Isenring das Bild der Brücke bei Oberbüren gemalt hat, ist der unterste Landzipfel des Toggenburgs, 490 m.ü.M. Ennet Thur und Glatt liegt das Fürstenland, einst das Hoheitsgebiet des Fürstabtes von St. Gallen.

 

Im Kampf gegen immer wiederkehrende Hungersnöte liess Abt Beda eine Strasse durch sein Gebiet von Rorschach bis Wil bauen. Damit sie auf fürstäbtischem Gebiet bleibe, musste sie an dieser Stelle die Thur überqueren.

 

Am 11. Januar 1778 konnte Abt Beda die 400 Schuh lange gedeckte Holzbrücke einweihen, die ihn 6750 Gulden gekostet hatte. In der Nacht vom 2./3. März 1885 fiel sie einem Brand zum Opfer (Brandstiftung).

 

An die Brücke erinnert uns das Bild des talentierten Joh. Bapt. Isenring. Übrig geblieben ist glücklicherweise auch das Wächterhaus. In ihm wohnte und wirtete der Brückenwächter.

 

19. Jahrhundert

Wirtschaftliche Veränderungen

Landwirtschaft: Milchwirtschaft und Obstbau lösen den Dreifelder-Ackerbau ab. Aufteilung der grossen Höfe.

Heimindustrie: Anstelle der Weberei wird die Stickerei eingeführt. Wandel der Ortsbilder durch den Bau von Stickerei-Häusern.

 

20. Jahrhundert

 

ab 1920

Landwirtschaft

 

1938-1945

Rodung der Thurauen

 

1945-1946

Entwässerung der Niederwiler Moore

 

1961-1982

Gesamtmelioration mit Güterzusammenlegung und landwirtschaftlichem Siedlungsbau.

 

nach 1920

Gewerbe, Infrastruktur Stickereikrise

 

1933-1936

Bau der Überlandstrasse St. Gallen - Wil

 

ab 1960

Wachstum neuer Erwerbszweige, Bau neuer Quartiere in den drei Dörfern. Öffentliche Bauten; Schulhäuser, Kanalisation, Strassen usw.

 

1969

Eröffnung von Autobahn und Werkhof; Ansiedlung verschiedener Gewerbe- und Industriebetriebe.

 

1988

1200 Jahr-Jubiläum Glattburg

 

1996/1997

Gründung Oberstufenschulgemeinde Oberbüren-Niederwil-Niederbüren

 

2004

Klostergemeinscahft St. Gallenberg Glattburg feiert 250 Jahre Ihres Bestehens.

Im gleichen Jahr feiert die Billwilerbrücke (von Robert Maillart 1982 - 1940) ihr 100jähriges Bestehen.

 

Die Oberbürer Offnung von 1481 regelte während über dreihundert Jahren das Dorfleben.